Biological Warfare (1)


Es herrscht Krieg. Mitten in meinem Zimmer. Die Frontlinie verläuft geradewegs entlang des Fensterbretts, meine kleine Welt der Pflanzen versinkt im Chaos. Die Invasion hatte bereits letztes Jahr begonnen, als Tetranychus urticae - die gemeine Spinnmilbe – aus noch ungeklärten Gründen meinen Luftraum infiltrierte und hinter feindlichen Linien auf meinem wehrlosen Papyrus abgesetzt wurde. Die fiese Sau hat zunächst unbemerkt einen Aussenposten errichtet und massiv Truppen aufgestockt, bevor sie ihr schändliches Werk verrichtete. In wenigen Wochen wurde der Papyrus dahingerafft. Der Gegenschlag, eine Brennesseljauche-Bombe, ließ den Kieferklauenträger unbeeindruckt. Blieb einzig die Option der Schadensminimierung (Papyrus -> Mülltonne, schmerzlicher Verlust).

milbe_2.jpg
Kenne Deinen Feind: Tetranychus urticae

Ein Jahr lang wähnte ich mich in Sicherheit. Bis vor drei Wochen. Ein Ricinus hatte den freien Platz eingenommen und plötzlich jegliches Wachstum eingestellt. Nachrichtendienstliche Ermittlungen haben ergeben, dass der Feind in winzigen Eiern überwintert hatte um in einem unbeobachteten Augenblick wieder zuzuschlagen. Das Überraschungsmoment auf seiner Seite hat es mittlerweile sogar den strategisch wichtigen Schreibtisch eingenommen, meine fleischfressende Pflanze steht kurz vor dem Fall. Tetranychus hat längst große Teile der Blattflächen ausgesaugt und die welke Pflanze ihrem Schicksal überlassen. Dabei beschränkt das Mistvieh sich nur auf die Epidermiszellen. Wie zum Hohn hinterlässt es im eroberten Terrain überall dichte Gespinste.

opfer_2.jpg
Zerstörung wohin das Auge blickt

Doch ich habe mittlerweile einen starken Verbündeten, Gamasida - die Raubmilbe. Die ersten Verbände dürften in den nächsten Tagen eintreffen. Wird das Blatt sich wenden? Ist Gamasida der Spinnmilbe gewachsen? Es bleibt spannend…

Post to Twitter Post to Delicious Post to Facebook

, ,

  1. #1 von chefkoch am 20. September 2007 - 3:17 pm

    Ohlala. Da kann einem ja Angst und Bange werden. Ich habe heute morgen beim Aufwachen ein Tier an meiner Decke gesehen, das ich so noch nie gesehen hatte. Aber der Schlaf war stärker als die Angst, und später war nix mehr da. Vielleicht habe ich es ja gegessen.
    Ach ja: Knoblauch geht klar morgen, oder?

(wird nicht veröffentlicht)