Sightseeing Chinese Style


dauerbespassung In Deutschland sieht man ja immer mal wieder Grüppchen von chinesischen Touristen. Die werden dann von Reisebussen irgendwo abgesetzt, huschen staunend zur nächstbesten Sehenswürdigkeit, knipsen wie verrückt Fotos, posen kurz, geben vielleicht noch ein überwältigtes “Oooh!” von sich und sind auch schon wieder im Reisebus verschwunden, um schnurstracks zum nächsten point of interest zu gelangen. Dort angekommen, gehts wieder von vorne los; mal ganz überspitzt geschildert. Diese Art von Fließband-Tourismus zu beobachten, fand ich bisher höchstens ganz witzig anzuschauen. Nachvollziehen kann ich das bis jetzt nicht so recht.

Blöd nur, dass es andersum nicht viel anders abgelaufen ist, wenn auch nicht aufgrund der eigenen Planung. Aktivitäten in Qingdao, die außerhalb der Ocean University of China stattfanden, liefen nämlich nach eben diesem Schema ab. Rein in den Bus, raus aus dem Bus, gucken, knipsen, rein in den Bus, raus aus dem Bus, essen, rein in den Bus. Bei so Sachen wie Aquarien oder Aquaculture-Farmen geht das schon in Ordnung. Und zugegebenermaßen kriegt man in kürzerer Zeit ja auch viel mehr zu sehen. Schade ist nur, dass der Restaurantbesuch, die Brauereibesichtigung oder die Berghöhle zu Tagesordnungspunkten verkommen, die abgehakt werden. Aber das war zum Glück nicht immer der Fall!

In Beijing ist Sightseeing dann nochmal ne andere Liga. Wahnsinn, was im Himmelstempel oder der Verbotenen Stadt an Menschenmassen durchgeschleust werden! Das ging zum Teil so weit, dass man nicht anhalten konnte, weil die Schlange stetig in Bewegung war oder an bestimmten Stellen gar nicht fotografiert werden durfte, damit der Menschenfluss nicht ins Stocken gerät. Wenn ich so alte Tempel oder Kaiserresidenzen besuche, versuche ich doch zumindest etwas von der historischen Atmosphäre zu spüren. Mir vielleicht ein Bild zu machen, wie die Herrscher durch ihre Gärten wandelten oder wo sie ihren Besuch empfingen. An Stellen, die nicht zur Hauptroute in den Tempelanlagen zählten – dem Palast der Enthalsamkeit zum Beispiel – war das zum Glück auch möglich. Die Hauptwege waren hoffnungslos überlaufen, laut, hektisch. Die chinesischen Tourguides mit ihren Megafonen taten ihr Übriges.

Post to Twitter Post to Delicious Post to Facebook

, , ,

  1. #1 von Nikolai am 9. August 2009 - 10:39 pm

    Das Foto sieht aus wie bei Die Sims – passt auch zur Schilderung..

  2. #2 von Tobi am 10. August 2009 - 11:52 am

    Ha, stimmt! Und immer schön Dauerbespaßung, damit der Balken grün bleibt…

(wird nicht veröffentlicht)